Entwicklung von Harry Potter

Sie musste einige Klinken putzen, um die Geschichten, die sie ihren Kindern erzählte, einem Verlag in Buchform schmackhaft zu machen. Die Lektoren, die das Manuskript mit dem Protagonisten Harry Potter abgelehnt haben, dürften sich heute ärgern. Denn Joanne K. Rowling ist etwas gelungen, das viele Autoren erst nach Jahren schaffen: Von ihren Bücher leben zu können. Sie hat es mit Harry Potter zu Reichtum gebracht und eine literarische Figur von enormem Bekanntheitsgrad geschaffen. Die Geschichten, die sie zu Papier bringt, werden weltweit verschlungen. Die Fangemeinde besteht nicht nur aus Kindern, sondern umfasst alle Altersklassen.

In Deutschland begann die Erfolgsgeschichte mit „Harry Potter und der Stein der Weisen“ erschien mit 335 Seiten Umfang. Es folgten fünf weitere Bände: „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ (351 Seiten), „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ ( 447 Seiten), „Harry Potter und der Feuerkelch“ (14. Oktober 2000, 766 Seiten), „Harry Potter und der Orden des Phönix“ (8. November 2003, 1021) und als bisher letzter Band „Harry Potter und der Halbblutprinz“ (1. Oktober 2005, 656 Seiten). Geplant ist ein weiteres Abenteuer. Ob Joanne K. Rowling auch die Zeit nach der Zauberschule Hogwarts verarbeiten wird, ist unbekannt. Es gibt Gerüchte und Vermutungen, allerdings nichts Konkretes. Vorstellbar ist es. Denn der Bedarf und der Wunsch sind vorhanden. Nicht umsonst gibt es einige Internetseiten, auf denen die Geschichten von Fans weitererzählt werden.

Die Bücher - erschienen mit unterschiedlichen Covern für Kinder und Erwachsene - waren nur der Anfang des Erfolges. Die letzten Bände erschienen unter höchster Geheimhaltung. Die Paletten und Kartons durften, vertraglich geregelt, erst am Erscheinungstag geöffnet werden. Die Post bot in Zusammenarbeit mit Onlineversendern eine Lieferung mitten in der Nacht an und Buchhandlungen machten um Mitternacht mehr Umsatz als sonst in einer Woche.

Lange dauerte es nie, bis zum Buch auch das Hörbuch erschien. In der deutschen Fassung wird es von Rufus Beck gelesen. Für Band eins waren es neun CDs, für das längste Buch, den Orden des Phönix, besprach er stolze 27 CDs. Der neueste Band ist, Stand Ende November 2005, noch nicht als Hörbuch erschienen, kann allerdings schon vorbestellt werden und soll sechs CDs umfassen. Die Preise für das Hörvergnügen, das bei allen Büchern einige Stunden dauert, waren am Ausgabetag noch horrend, fielen jedoch sehr rasch, kamen als Sondereditionen auf den Markt und waren damit auch erschwinglich.

Erfolgreiche Bücher werden nicht nur vertont, sondern auch verfilmt. Vier Bücher wurden bislang in Form eines Spielfilms umgesetzt. Die Laufzeiten von rund zweieinhalb Stunden entsprechen nicht ganz dem Umfang der Bücher und waren von Anfang an einiger Kritik ausgesetzt. Denn nicht alles, was der Fan lesen konnte, sah er später auch. Es wurde selektiert. Die meisten Kinobesucher waren dennoch begeistert. Auch die, die sich die Filme später auf DVD oder Video im heimischen Wohnzimmer angesehen haben. Die Begeisterung kommt vor allem den jungen Schauspielern zugute, die heute bekannter sind als viele ihrer älteren Kollegen. Autogramme sind beliebt, Fotos und vor allem Details aus dem Privatleben.

Joanne K. Rowling hat mit Harry Potter eine ganze Lawine losgetreten. Das Merchandising ist perfekt organisiert, der Begriff Harry Potter in aller Munde und das vor allem dann, wenn ein neues Buch erscheint oder ein Film gedreht wird. Alleine bei Google finden sich weit über 66 Millionen Treffer. Und die beziehen sich bei weitem nicht nur auf die Bücher, Hörbücher oder Filme. Denn mit wachsendem Erfolg der Geschichten um den jungen Zauberschüler, wurde die Angebotspalette erweitert.

Fan Artikel von Harry Potter

Teller, Tassen, Puppen, Bauklötze, Brettspiele, „fliegende Besen“, Zauberkästen, Bettwäsche, Kalender, PC- und Konsolenspiele, Münzen, Briefmarken, Uhren oder Schultaschen sind nur einige Produkte, die den Schriftzug „Harry Potter“ tragen und in vielen Geschäften oder online gekauft werden können. Es gibt für jeden etwas und zu jedem der bislang sechs Bände immer neue Artikel. Der in der knallharten Verlagswelt anfangs wenig beliebte Zauberschüler hat inzwischen einen eigenen Markt, an dem auch die Autorin fleißig mit verdient. Für eingefleischte Fans dürfte es eigentlich schon Pflicht sein, zumindest einige Harry-Potter-Artikel zu Hause zu haben. Alles zu sammeln, wird wohl etwas kostenintensiv sein, auch wenn es vieles bereits bei Online-Auktionen gibt, gebraucht und neu.

Bei Ebay.de gibt es weit über 1000 Kategorien mit über 8000 Artikeln, ebay.com übertrifft diese Zahlen mit mehr als 1900 Kategorien und 23000 Artikeln. Harry Potter scheint im englischsprachigen Raum mehr Fans zu haben und noch bekannter zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Bücher wesentlich eher in englischer Sprache erscheinen und die Fans in Deutschland sich etwas länger gedulden müssen. Oder aber es gibt weitaus mehr Produkte von und mit Harry Potter in den USA, Kanada und Großbritannien. Jedenfalls ist die Auswahl bei Auktionen erheblich größer.

Das gilt besonders für eine Sparte, die sich in Deutschland noch nicht einer so großen Beliebtheit erfreut, den Sammelkarten und -bildern. Es gibt sie zum Spielen und als Karten, die nur als Sammelobjekt von Interesse sind. Hergestellt werden sie von mehreren Firmen, darunter Panini - hier vor allem für die Fußball-Sammelbilder bekannt, die in Alben geklebt werden und damit eher Aufkleber sind -,Cards Inc., Wizard und Artbox Entertainment, wobei vor allem die Karten des letztgenannten Unternehmens bei Auktionen angeboten werden. Das liegt daran, dass es sich nicht einfach um visitenkartengroße Fotos aus den Filmen handelt, zu denen es auf der Rückseite einige Informationen gibt. Interessanter sind die Spezialkarten, die in den extrem limitierten Boxen zu finden sind. Bieten andere Firmen Folienkarten als Besonderheit, liegen bei Artbox Entertainment Karten mit Original-Autogrammen der Darsteller bei, Karten, in die Teile von Kostümen, Requisiten oder aber einer Filmrolle eingearbeitet sind. Diese Sammelkarten sind auf eine kleine Stückzahl begrenzt und einzeln nummeriert. Einer der ganz großen Leckerbissen für Sammler findet sich in den Boxen zum dritten Harry Potter Film. Hier hat sich der Hauptdarsteller zum ersten Mal bereit erklärt, auch Karten zu signieren. Doch die absolute Rarität sind Karten mit den Autogrammen aller drei Hauptdarsteller. Sie werden im dreistelligen Dollarbereich gehandelt. Deutsche Fans haben hier das Nachsehen. Die Karten werden für den englischsprachigen Raum produziert und finden sich nur ganz selten in Deutschland, noch seltener als komplette Box. Hier hilft nur der Weg über Auktionen. Denn selbst zum neuesten Film sind die Boxen laut Hersteller offiziell längst ausverkauft.

Harry Potter ist damit ein Markenzeichen, von dem nicht nur die Autorin profitiert. Es ist ein Boom sondergleichen entstanden, nachdem klar war, dass es sich bei dem ersten Buch nicht um eine kurze Eintagsfliege handelt, der nahezu unvergleichlich ist. Und er wird anhalten, solange die Fans noch Hoffnung auf neuen Lesestoff haben. Einen Band gibt es garantiert noch, dazu noch einige Filme und sicherlich noch viele andere Produkte.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Joanne K. Rowling ihren Erfolg auch anderen zuteil werden lässt. So hat sie mit „Quidditch im Wandel der Zeiten“ und „Phantastische Tierwesen & wo sie zu finden sind“, zwei Bücher geschrieben, die in limitierter Auflage erschienen und als Schulbücher aus Hogwarts aufgemacht sind, deren Erlös Comic Relief, einer Hilfsorganisation aus England, die sich Kinderprojekten in aller Welt annimmt, gespendet wurde.

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